Wie du deine Stärken im Job erkennst und einsetzt

In vielen Unternehmen liegt der Fokus nach wie vor auf dem, was nicht funktioniert: Schwächen, Fehler, Misserfolge. Davon handeln nicht nur Projektmeetings und Jahresgespräche, auch die persönlichen Entwicklungsziele zielen oft darauf ab, Defizite auszugleichen statt Stärken auszubauen.

Dabei ist es laut der Positiven Psychologie deutlich zielführender, das bereits Gelingende und die eigenen Stärken in den Fokus zu rücken. Das macht nicht nur deutlich mehr Spaß, sondern steigert auch die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden. Denn wer seine Stärken weiter ausbaut und gezielt einsetzt, kann Außergewöhnliches leisten. Während die Arbeit an den eigenen Schwächen eher zu Mittelmaß führt.

Warum Stärken der Schlüssel zu besserem Arbeiten sind

Zahlreiche Studien zeigen: Menschen, die ihre Stärken regelmäßig nutzen, sind nicht nur zufriedener, sondern auch engagierter, gesünder und erfolgreicher. Eine groß angelegte Untersuchung von Gallup ergab, dass Mitarbeitende, die ihre Stärken täglich einsetzen,

  • 6-mal häufiger engagiert sind,
  • 3-mal mehr Lebenszufriedenheit berichten,
  • und Teams mit stärkenorientierter Führung bis zu 20% produktiver arbeiten.

Natürlich heißt das nicht, dass man Schwächen völlig ignorieren sollte. Sie können durchaus hinderlich sein, z.B. wenn ein kreativer Design-Profi immer wieder an schlechtem Zeitmanagement scheitert. Hier lohnt es sich, Strategien zu entwickeln, damit die dadurch entstehende Unzuverlässigkeit nicht die sonst exzellente Arbeit trübt und die eigentlichen Stärken noch besser zur Geltung kommen.

Mir gefällt in dem Zusammenhang die Segelboot-Metapher: Die Stärken sind die Segel, die dich voranbringen und für Geschwindigkeit sorgen. Die Schwächen sind die Löcher im Rumpf, die du so weit abdichtest, dass sie das Vorankommen nicht behindern.

Was sind Stärken und Signaturstärken?

Wenn wir über „Stärken“ sprechen, denken viele spontan an das, was sie gut können – also an Fähigkeiten oder Talente. In der Positiven Psychologie versteht man eine Stärke jedoch als etwas, das man nicht nur gut kann, sondern auch gerne und oft tut und das Energie gibt.

Der entscheidende Unterschied liegt also nicht nur im Können, sondern im Gefühl dabei. Eine Stärke erkennst du am Flow-Erleben. Also daran, dass du ganz in deiner Aufgabe aufgehst.

Während Talente oft angeboren sind und uns den Einstieg erleichtern, entstehen Stärken erst durch bewusste Nutzung und Übung. Aus einem Talent wird eine Stärke, wenn du es regelmäßig anwendest, dich darin weiterentwickelst und es in verschiedenen Kontexten einsetzen kannst.

Beispiel:
Du hast ein Talent für Sprache und formulierst klar und präzise. Wenn du dieses Talent im Berufsalltag gezielt nutzt (etwa um komplexe Themen einfach zu erklären oder Präsentationen zu gestalten), entwickelst du eine kommunikative Stärke.

Der Psychologe Martin Seligman, Begründer der Positiven Psychologie, spricht in diesem Zusammenhang von „Signaturstärken“: das sind jene Stärken, die dich am besten beschreiben, zu deinem Charakter passen und deren Nutzung sich zutiefst „richtig“ anfühlt. Wenn du sie einsetzt, fühlst du dich authentisch, lebendig und wirkungsvoll.

Stärken entdecken

Bevor du deine Stärken gezielt einsetzen kannst, musst du wissen, welche es sind. Und das ist oft weniger offensichtlich, als es klingt. Denn was uns leichtfällt, nehmen wir häufig gar nicht als Stärke wahr. „Ach, das kann doch jede:r“, „Das ist nichts Besonderes“ oder „Das ist doch selbstverständlich“, sind typische Aussagen in Bezug auf die eigenen Stärken.

Echte Stärken empfinden wir oft als so selbstverständlich, dass wir sie übersehen.

Die gute Nachricht ist: Von einfachen Reflexionsübungen bis hin zu wissenschaftlich fundierten Tests gibt verschiedene Wege, die eigenen Stärken sichtbar zu machen.

1. Wissenschaftlich fundierte Tests

VIA Character Strengths Survey

Der VIA-Test (Values in Action) ist eines der bekanntesten Instrumente der Positiven Psychologie.
Er basiert auf der Forschung von Martin Seligman und Christopher Peterson, die von Neugier und Mut über Teamwork bis zu Dankbarkeit und Liebe zum Lernen 24 universelle Charakterstärken identifiziert haben.

Der Test ist kostenlos und online verfügbar (viacharacter.org oder gluecksforscher.de), und somit ein unkomplizierter Einstieg in das Thema.

CliftonStrengths (Gallup)

Der CliftonStrengths-Test (früher „StrengthsFinder“) misst, in welchen Themenbereichen (zum Beispiel in „Analytical“, „Empathy“ oder „Strategic“) du dein größtes Potenzial hast.

Er eignet sich besonders gut für den beruflichen Kontext, da er zeigt, wie du mit anderen optimal zusammenarbeitest und welche Aufgaben dir liegen. Der Test ist kostenpflichtig, aber sehr praxisorientiert. Viele Unternehmen nutzen ihn für Team- und Führungskräfteentwicklung.

2. Qualitative Methoden: Selbstreflexion & Feedback

Wenn du lieber ohne Test arbeitest, kannst du deine Stärken auch über Beobachtung und Rückmeldung entdecken. Hier drei bewährte Ansätze:

Peak-Experience-Analyse

Denk an eine Situation, in der du besonders stolz auf deine Leistung warst oder dir etwas mühelos gelungen ist.

  • Welche Fähigkeiten hast du dabei eingesetzt?
  • Was hat dir Energie gegeben?
  • Welche Bedingungen haben dazu beigetragen?

Diese Analyse zeigt dir deine „natürlichen Erfolgsrezepte“.

Reflected Best Self

Bitte 5-7 Kolleg:innen, Freund:innen oder Familienmitglieder, dir zu schreiben, wann sie dich in deiner besten Version erlebt haben und was du in dieser Situation getan hast.
Wenn du die Rückmeldungen nebeneinanderlegst, erkennst du Muster: Wiederkehrende Formulierungen („klar strukturiert“, „ermutigend“, „lösungsorientiert“) geben Hinweise auf deine Signaturstärken.

Stärken-Profil

Nimm dir 10 Minuten Zeit und beantworte diese drei Fragen:

  • Welche Aufgaben geben mir regelmäßig Energie und Freude?
  • Wann und wofür genau bekomme ich positives Feedback?
  • Was fällt mir leicht, während andere es als herausfordernd empfinden?

Markiere die häufigsten Themen oder Formulierungen – sie bilden dein persönliches Stärken-Profil.

3. Strength Spotting im Alltag

Ein wirksamer Ansatz, um Stärken bewusster wahrzunehmen, ist das sogenannte Strength Spotting – also das aktive Erkennen und Benennen von Stärken im Verhalten anderer (und bei dir selbst).
Wenn du dir angewöhnst, Sätze zu denken wie „Das war echt mutig von mir“ oder „Ich war heute besonders analytisch“, trainierst du dein Wahrnehmungsradar für Stärken.

Mit der Kombination aus strukturiertem Test und Selbstreflexion / Fremdwahrnehmung kannst du nach und nach ein realistisches, lebendiges Bild deiner Stärken entwickeln und diese im nächsten Schritt noch gezielter im Job einsetzen.

Stärken im Job einsetzen – so geht’s

Sobald du deine Stärken kennst, beginnt der wichtigste Teil: sie bewusst einzusetzen.
Hier kommt das von den Forscherinnen Amy Wrzesniewski und Jane Dutton (2001) entwickelte Konzept des Jobcrafting ins Spiel. Es beschreibt, wie Mitarbeitende ihren Job aktiv gestalten, damit er besser zu den eigenen Interessen und Stärken passt.

Jobcrafting passiert meist in kleinen, aber wirksamen Schritten und lässt sich in drei Dimensionen unterteilen:

Jobcrafting

1. Task Crafting – Aufgaben anpassen

Hier veränderst du was du tust oder wie du Aufgaben erledigst.
Ziel: deine Stärken häufiger einsetzen und mehr Energie in den Alltag bringen.

Beispiele:

  • Du hast eine Stärke für Struktur? Dann übernimm die Planung von Meetings oder Projektabläufen.
  • Du bist kreativ? Gestalte Präsentationen, Kommunikationsmaterialien oder Teamrituale.
  • Du bist analytisch? Übernimm Datenaufbereitung oder Entscheidungslogik im Projekt.

Mini-Übung:
Liste fünf regelmäßige Aufgaben auf. Notiere daneben, wie stark du dort deine Stärken nutzen kannst (Skala 1-10). Überlege anschließend: Welche Aufgabe könnte ich leicht anpassen, um mehr Motivation zu spüren?

2. Relational Crafting – Beziehungen gestalten

In dieser Dimension geht es darum, mit wem du arbeitest.
Wir verbringen einen Großteil unserer Arbeitszeit mit anderen Menschen. Ob diese Interaktionen Energie geben oder ziehen, hängt stark davon ab, wie wir Beziehungen gestalten.

Beispiele:

  • Du blühst auf, wenn du Wissen teilst? Werde Mentor:in oder biete regelmäßige Austauschformate an.
  • Du bist besonders empathisch? Übernimm Verantwortung für Feedback- oder Check-in-Rituale.
  • Du arbeitest lieber fokussiert und ruhig? Vereinbare klare Zeiten für Deep-Work-Phasen.

Relational Crafting bedeutet nicht, sich aus dem Team zu ziehen, sondern Beziehungen so zu gestalten, dass sie dich und andere stärken.

3. Cognitive Crafting – die innere Haltung verändern

Cognitive Crafting betrifft die Bedeutung, die du deiner Arbeit gibst.
Es ist die Kunst, den Blickwinkel von „Ich erledige Aufgaben“ hin zu „Ich trage etwas Sinnvolles bei“ zu verändern.

Beispiel:
Eine Buchhalterin, die ihre Arbeit nicht nur als Zahlenprüfung, sondern als Beitrag zu finanzieller Stabilität und Vertrauen im Unternehmen versteht, erlebt Sinn und Stolz statt Routine.

Reflexionsfrage:
Wie trägt meine Arbeit in ihrer besten Form zum Erfolg, zum Wohlbefinden oder zum Wachstum anderer bei?

Mehr Infos zum Thema Jobcrafting findest du auch im Blogbeitrag: „Jobcrafting: Wie du deine Arbeit aktiv gestalten kannst

Dein persönlicher Jobcrafting-Plan

Um Jobcrafting alltagstauglich zu machen, helfen folgende nächste Schritte:

  1. Liste deine 5 wichtigsten Aufgabenbereiche.
  2. Notiere pro Bereich eine Idee, wie du mehr von deinen Stärken einbringen kannst.
  3. Wähle davon eine Veränderung, die du innerhalb der nächsten Woche ausprobierst.
  4. Beobachte, wie sich Energie, Motivation und Flow-Erleben verändern.
  5. Nimm weitere kleine Anpassungen vor, bis zu zufrieden(er) bist.

So kannst du nach und nach all deine Aufgabenbereiche reflektieren und durch Mini-Veränderungen mehr auf deine Stärken und Interessen ausrichten.

Alternativ oder ergänzend kannst du das Thema auch von der anderen Seite angehen, indem du ein Stärken-Canvas anlegst.

Erstelle dein persönliches Stärken-Canvas mit vier Spalten: Stärke, Energielevel (1-10), Einsatzfeld, Idee zur Verstärkung

Wenn du beginnst, deine Arbeit rund um deine Stärken zu gestalten, veränderst du nicht nur deine Produktivität, sondern dein ganzes Arbeitserleben.

Fazit: Nutze deine Stärken als Rückenwind

Besser arbeiten heißt nicht härter, sondern stärkenorientierter. Wenn du deine Signaturstärken kennst, bewusst einsetzt und in kleinen Schritten weiter ausbaust, geben sie dir Rückenwind für all die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags.

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